Etwas verändern. Gedanken nach der Konferenz FAIR FASHION works?

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Event Studienprojekt

Auf der Konferenz FAIR FASHION works? Unternehmensverantwortung im Modestudium haben wir einige tolle Projekte, die in Modestudiengängen in der letzten Zeit angestoßen wurden, kennengelernt. Diese werden wir in den kommenden Wochen auch auf diesem Blog vorstellen. Doch zu Beginn macht sich Lukas Böhm, ein Teilnehmer der Konferenz, Gedanken dazu, welche Möglichkeiten Studierende überhaupt haben, auf bestehende Verhältnisse zu wirken. Sind wir machtlos? Nein, ganz und gar nicht!

Ein Gastbeitrag von Lukas Böhm

Die Konferenz FAIR FASHION works? Mitte Oktober in Düsseldorf stellte die Frage nach der Unternehmensverantwortung im Modestudium. Die Antwort auf diese Frage war den meisten Teilnehmer_innen allerdings schon bekannt und lautet: Nein, das kommt nicht vor. Die wirklich interessante Frage lautete demnach: Wie ändern wir das?

Für mich persönlich war das Ganze ein interessanter Blick aus der Außenperspektive. Ich bin nämlich gar kein Modedesignstudent. Aber: ich versuche schon seit längerem, etwas an Universitäten zu verändern. Ich bin aktiv im Netzwerk Plurale Ökonomik und wir versuchen die Volkswirtschaftslehre, kurz VWL, zu transformieren. Die Lehre an den Unis ist einseitig auf eine eingeschränkte Theorie ausgelegt und nimmt alternative ökonomische Gedankengänge nur sehr selten auf. Das Problem sind nicht die Theorien. Vielmehr  verkrustete Strukturen und schwerfällige bürokratische Prozesse.

Dieser Umstand erschien mir sehr ähnlich zu dem, was die Teilnehmer_innen der Konferenz erzählten: Professor_innen unterrichten halt das, was sie schon immer unterrichtet haben. Es gibt keine Motivation im Lehrkörper, Nachhaltigkeit und Fairness auf den Lehrplan zu nehmen, Anfragen in diese Richtung werden als störend empfunden.

Mein Eindruck war, dass sich bei vielen Studierenden aus diesen Gründen eine gewisse Frustration und Resignation eingestellt hatte. Etwas verändern? Ja! Aber wie, wenn mensch überall auf Mauern trifft? Ich habe darauf auch keine einfache Antwort. Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam und Leute der Generation 50+ wollen leider zu selten noch alte Gewohnheiten umwerfen. Doch es gibt Hoffnung: Kontinuierliche Arbeit zahlt sich aus. Ich möchte an dieser Stelle aus meinen Erfahrungen und der Geschichte des Netzwerks berichten um damit Mut zu machen und hoffentlich den einen oder die andere zu optimistischem Engagement zu bewegen.

  1. Veränderung ist möglich!

Das festzuhalten ist wichtig. Wir haben die Lehre an den Unis zwar noch nicht überall und nicht von Grund auf verändert, aber es gibt immer mehr Erfolgserlebnisse, die wiederum zu mehr Aktivität führen. Es entwickelt sich eine Eigendynamik aus Aktionen, medialer Berichterstattung und lokaler Initiative.

So wurde beispielsweise 2014 ein öffentlicher Aufruf für mehr Vielfalt in den Wirtschaftswissenschaften verfasst, der dank der Beteiligung vieler internationaler Studierendengruppierungen medial breit rezipiert wurde. Die in dem Text formulierten Forderungen fanden sich knapp ein halbes Jahr später in den Statuten des Forschungsinstituts für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW) wieder – ein von der NRW-Landesregierung ins Leben gerufenes Forschungsinstitut. Dieses Institut wiederum förderte ein Projekt des Netzwerks mit 50.000 Euro. Und dieses Projekt wird in naher Zukunft mit einer lokal organisierten Ringvorlesung in Bochum kooperieren und den dortigen VWL-Studierenden einen Leistungsnachweis ermöglichen, der nicht auf repetitivem Auswendiglernen basiert.

Dies ist nur ein Beispiel für sich selbst verstärkende Prozesse, die sich aus lokalem Engagement ergeben. Aber es zeigt auch den Kern des Ganzen:

  1. Vernetzung ist alles!

Nichts von alldem wäre möglich gewesen, wenn die verschiedenen Leute sich nicht auf unterschiedlichsten Wegen persönlich kennengelernt hätten. Workshops, Konferenzen und Vorträge bieten den Raum für weiterführende Gespräche ohne konkretes Anliegen. Daraus ergeben sich oft unerwartete Anknüpfungspunkte, eine vereinfachte Kommunikation in Skypes oder wirklich gute Freundschaften.

Für die meisten mag das banal und selbstverständlich klingen, aber für all jene, die etwas in ihrem Studium verändern wollen und noch nicht wissen, wo sie anfangen sollen, kann das nicht genug betont werden: Sucht euch Gleichgesinnte! Informiert euch über Vorträge, sprecht mit den Referent_innen oder fragt bei Organisationen wie FEMNET an, ob sie euch mit Leuten in eurer Region verbinden können. Falls ihr aber nicht innerhalb von wenigen Monaten stabile Strukturen etablieren könnt, lasst euch nicht entmutigen. Denn:

  1. Beharrlichkeit macht den Unterschied

Viele Projekte scheitern, weil Leute nach einem Rückschlag zu schnell aufgeben oder direkt das ganze Konzept anzweifeln. Es ist nicht verkehrt, die eigene Vorgehensweise ständig zu reflektieren und Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Aber manchmal gibt es nichts zu verbessern und Dinge wollen trotzdem nicht funktionieren. Das ist ganz normal. Viel hängt immer noch vom Zufall ab: welche Leute ich wann treffe und welche Verbindungen sich ergeben, kann ich nicht bis ins letzte Detail planen. Weitermachen hilft. Ich habe die lokale Gruppe des Netzwerks eigentlich letztes Jahr im November gegründet. Sechs Monate habe ich versucht, irgendeine Art von Struktur zu etablieren, Leute anzuwerben und Aktionen zu organisieren. Abgesehen von einigen wenigen Treffen ist nicht viel passiert. Bis sich dann im April eine Studentin bei mir meldete, die einen Vortrag des Netzwerks besucht und den Referenten angesprochen hatte. Dieser hatte bei unserer letzten Klausurtagung von meinen Gehversuchen in Bochum erfahren und sie an mich verwiesen. Mit ihr zusammen ist unsere Gruppe zu einer verlässlichen Einheit geworden. Wir haben einen Vortrag organisiert und über diesen Vortrag genug neue Interessent_innen gewonnen, um nun eine ganze Ringvorlesung zu planen.

Was also tun?

Wenn ihr Studierende eines modebezogenen Studienganges seid und Nachhaltigkeit und Fairness an eure Uni bringen wollt: Tut das! Es spielt keine Rolle, wie klein ihr anfangt; die Dinge werden wachsen. Erinnert ihr euch an den internationalen Aufruf mit dem großen Medienecho, von dem ich oben geschrieben habe? Manche von den Gruppen, die unterzeichnet haben, waren nicht mehr als zwei oder drei gleichgesinnte Seelen, die eine gemeinsame Mailadresse hatten. Mehr braucht es nicht. Sie haben mit dem Namen ihrer Gruppe den Aufruf unterzeichnet und ihm so in ihrer Summe Gewicht gegeben. Dieses Gewicht hat wiederum auch zu Aufmerksamkeit für ihre Gruppen geführt – und sie sind gewachsen.

Schreckt also nicht zurück, weil ihr denkt, ihr seid zu klein oder zu wenige. Wenn ihr euch in eurer Außendarstellung als studentische Initiative zur Verbesserung der Lehre präsentiert, werden euch andere Leute finden und unterstützen können. Bastelt euch ein Arbeitsforum (Basecamp, Slack oder einfach eine geschlossene Facebook-Gruppe); und wenn ihr andere Initiativen findet: nutzt es gemeinsam. Der Rest wird sich über die Zeit ergeben. It’s as simple as that.

Wenn Lukas Böhm nicht gerade versucht, die VWL an den Unis zu verändern, sucht er nach Möglichkeiten, die Wirtschaft auch praktisch zu verändern. Unter feinwasser.de findet ihr seinen Versuch, den Kapitalismus mit selbst designten Shirts zu überwinden. Lukas würde sich darüber freuen, eine ähnliche Organisation zum Netzwerk Plurale Ökonomik auch im Modebereich zu sehen und ist daher für alle eure Fragen offen: lukas[at]feinwasser[punkt]de ist die Adresse.

Wenn ihr generelle Fragen zum Aufbau und zur Organisation eines „von unten“ betriebenen Netzwerks habt, nehmt gerne Kontakt mit mir auf. Und schaut euch feinwasser.de an. Da geht es expliziter um faire Kleidung.

Diese Themen wurden auf der Konferenz vorgestellt.

Foto © Barbara Palusinska

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