“Love it. Wear it. Share it.” Laura Apel von Kleiderrebell im Interview

Schreibe einen Kommentar
Interview Karriere Startup

Letzte Woche haben wir den Online-Shop Kleiderrebell von Laura Apel vorgestellt, in dem Kleidung nicht verkauft, sondern verliehen wird. Im Interview erzählt Laura nun von den ersten Schritten in die Selbstständigkeit und den Erfahrungen, die sie bei der Gründung gemacht hat.

Erzähle uns von deinem beruflichen Werdegang?
Ich habe Textil- und Bekleidungsmanagement in Mönchengladbach an der Hochschule Niederrhein studiert und habe im Rahmen des Studiums ein Praktikum in Bangladesch absolvieren können und da einen Blick hinter die Kulissen der Bekleidungsindustrie bekommen. Es war unglaublich spannend. Das Studium war sehr theorielastig. Mir hat das nicht gereicht und so habe ich noch eine Ausbildung zur Bekleidungsstechnischen Assistentin absolviert, um zu wissen, wie das in der Praxis funktioniert. Das ist deutlich komprimierter als eine Schneiderlehre, aber danach weißt du, wie man näht und worauf man bei der Stoffauswahl achten muss. Hätte ich vor dem Studium von der Ausbildung gewusst, hätte ich das natürlich vorher gemacht, aber so bin ich dann den untypischen Weg gegangen. So oder so bin ich froh, dass ich beides gemacht habe. Danach habe ich drei Jahre im Produktmanagement und im E-Commerce gearbeitet. Ich betreute den Online-Shop einer großen Warenhauskette und beschäftigte mich auch immer wieder mit Sortimentgestaltung und Produktmanagement.

Standen Themen wie Nachhaltigkeit, faire Produktion oder Konsumkritik auf dem Lehrplan deiner Uni?
Nun ja, das ist schon einige Jahre her, aber ich kann mich nicht daran erinnern, das irgendwas in dem Bereich angeboten wurde. Das war eher aufgeteilt in Management und in klassische Bekleidungskunde, also wie werden Stoffe oder der Garn hergestellt. Das Thema Nachhaltigkeit war noch nicht so da. Ich glaube aber auch, dass zu dem Zeitpunkt, das Studium habe ich vor acht Jahren begonnen, das Thema generell noch gar nicht so präsent war wie jetzt. Mittlerweile bieten einzelne Professoren schon was an, aber damals noch nicht.

In deinem Blog schreibst du über ein Praktikum in Bangladesch. Wie kam es dazu?
Das war von der Uni organisiert, aber man darf sich das nicht wie ein klassisches Praktikum vorstellen, so wie man das aus Deutschland kennt. Wir waren eine Gruppe von 8 Studentinnen und haben die gesamte textile Kette durchlaufen, angefangen bei der Baumwollplantage über die verschiedenen Produktionsstätten bis zum fertigen Produkt. Es war total wichtig zu sehen, wie es vor Ort aussieht. Natürlich wurden uns keine Fabriken gezeigt, wo die Arbeitsbedingungen total katastrophal waren, aber wir haben immer mal wieder Gebäude gesehen, bei denen ich mir dachte: das könnte so eine Produktionsstätte sein, wie man sie aus den Nachrichten kennt.

Wie kam es zu der Idee für Kleiderrebell?
Die Idee für den Shop kam vor ungefähr 1,5 Jahren, als ich selber mal wieder in so einem Shoppingsrausch in die Stadt bin und dachte: Ich habe nichts im Kleiderschrank. Das war natürlich totaler Quatsch. Überhaupt, dass man in regelmäßigen Abständen denkt, man hat nichts anzuziehen, obwohl der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt. Dann rennt man in die Stadt, kauft sich was und ein paar Wochen oder Monate später fängt es wieder von vorne an. Da kam mir die Idee zu leihen, statt zu kaufen. Und so kam der Stein ins Rollen…

Und wann hast du dich konkret für die Existenzgründung entschieden? Was waren die ersten Schritte und wie hast du dich darauf vorbereitet?
Wirklich dafür entschieden… Hm, das war im Frühjahr 2015. Die Idee kam mir im September 2014, aber zwischenzeitlich hatte ich sie ad acta gelegt, weil ich damals neu bei meinem damaligen Arbeitgeber war. Irgendwann hat sich meine berufliche Situation verändert und die äußeren Umstände waren so günstig, dass ich mir dachte: wenn ich das jetzt nicht mache, wann dann? Ich hatte anfangs keinen blassen Schimmer, wie man das startet. Also habe ich Existenzgründer-Seminare von der IHK und der VHS besucht. Leider ist das Angebot in Köln sehr spärlich, aber ich arbeitete damals in Essen und die dortige IHK hat wirklich wahnsinnig viele Angebote zu allen Bereichen – angefangen bei der Rechtsform, über Fragen zu Versicherungen, Steuern etc. Danach ist man zwar nicht „top“ informiert, aber man hat einen groben Überblick. Gerade in den Grundlagenseminaren erfährt man viele Dinge, von denen man vorher nie gehört hat! Das war der erste Schritt: Sämtliche Seminare und Workshops abklappern!

Laura in ihrem Büro

Laura Apel in ihrem Büro. © Kleiderrebell

Danach ging es an die konkrete Umsetzung. Ich musste mir überlegen: Wer macht mit mir diesen Online-Shop? Ich brauchte Programmierer und eine Webdesignerin, die es schön macht. Ich traf mich mit verschiedenen Agenturen und Programmierern und als meine Wahl feststand, war das ein besonderer Moment. Es war ein verrücktes Gefühl zu sagen: Ich mache das jetzt und dann habe ich einen Online-Shop. Aber nach all den Vorbereitungen, Planungen und der Energie, die ich bis dahin schon reingesteckt hatte, hätte ich niemals sagen können „Ach nee, ich mach’s doch nicht.“ Ich hätte mich dann auch mein Leben lang gefragt: Was wäre damals daraus geworden, wenn ich es gemacht hätte. In den letzten Wochen vor der Eröffnung drehte sich alles um den Shop. Ich musste mit einem Anwalt sprechen, um mich rechtlich abzusichern. Ware musste abfotografiert und hochgeladen werden, damit zumindest ein kleiner Teil des Sortiments zum Start online ist. Rückblickend betrachtet ging das sehr schnell. Ich hatte mich Mitte April 2015 dafür entschieden und knapp acht Monate später ging der Shop online.

Welche Erfahrung hast du in dieser Zeit gemacht? Gab es Rückschläge? Unerwartete Erfolgserlebnisse?
Im großen und ganzen ist fast alles glatt gelaufen. Aber natürlich gab es auch einiges, was nicht so funktioniert hat, wie ich mir das vorgestellt hatte. Die Crowdfunding-Kampagne war beispielsweise nicht erfolgreich. Das war natürlich ein Dämpfer. Aber es ist wichtig, einen Plan B zu haben. Solange du den hast, ist es fast schon egal, ob Plan A funktioniert. Außerdem ist es wichtig, nach vorne zu blicken. Sich auf das, was nicht funktioniert hat, zu konzentrieren, ist kontraproduktiv. Und es gibt natürlich immer Kleinigkeiten, die schief laufen. Ich hatte zum Beispiel Probleme mit meiner Kamera, mit der ich die Kleidung abfotografieren wollte. Das wirft dich im Zeitplan total zurück. Aber das ist auch eine wichtige Lektion: Alles dauert prinzipiell immer länger, als man denkt. Gerade, wenn man mit anderen Menschen zusammenarbeitet. Daher ist es wichtig ein paar Zeitpuffer einzubauen.

Wie viele Leute arbeiten mit dir an Kleiderrebell?
Ich bin derzeit noch allein. Gar nicht unbedingt, weil ich das so will. Eigentlich wäre es auch in den letzten Monaten schön gewesen, jemanden an der Seite zu haben. Ich habe natürlich ganz viel Unterstützung von Freunden, Bekannten und Familie, ohne die würde es gar nicht gehen, aber es wäre auch schön, wenn da irgendwann mal ein kleines Team dahinter ist.

Dein Shop ist seit einigen Wochen online – wie sieht aktuell ein typischer Arbeitstag aus?
Einen typischen Arbeitstag könnte ich gar nicht beschreiben. Ich habe eine lange To-Do-Liste, bei der ich Prioritäten setzen muss. Klar mache ich einige Sachen lieber als andere, aber danach kann ich nicht gehen. Momentan ist das Wichtigste, alle Artikel abzufotografieren, damit man auch eine breitere Zielgruppe anspricht. Außerdem muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung machen – da hat man feste Deadlines. Hinzu kommt: E-Mails beantworten, Pressemitteilungen rausschicken, Artikel hochladen, mit der Steuerberaterin oder dem Anwalt telefonieren, recherchieren, Social Media… Also insgesamt eine gute Mischung. Unterm Strich hat es seine Vor- und Nachteile, selbstständig zu sein. Auf der einen Seite arbeitet man vor allem anfangs selbst und ständig. Auf der anderen Seite, wenn du krank bist oder einfach einen schlechten Tag hast, kannst du es auch lassen, ohne dass der Arbeitgeber sofort anruft.

Du hast ja schon nebenbei ein paar Tipps für den Start in die Selbstständigkeit gegeben: sich gut beraten lassen, Plan B haben, Zeitpuffer einplanen… Hast du noch weitere Tipps für Studierende, die sich mit einem Start-Up selbstständig machen möchten?
Wenn man eine gute Idee hat, sollte man erstmal viel recherchieren. Gibt es die Idee vielleicht schon? Was ist das Alleinstellungsmerkmal? Ich fand es total wichtig, mich mit verschiedenen Leuten auszutauschen. Damit wächst die Idee. Man bekommt so viel Input. Darunter auch viele Ideen, auf die ich selber nie gekommen wäre und von denen ich profitieren konnte. Auf der anderen Seite musst du von deiner Idee überzeugt sein. Wenn du mit anderen darüber sprichst, wirst du deine Idee verteidigen müssen. Es gibt immer Zweifler, die sich das nicht vorstellen können oder die Idee einfach blöd finden. Von so was darf man sich nicht unterkriegen lassen. Wenn du überzeugt bist, dann mach weiter! Wichtig ist auch Marktrecherche: Ich hatte z.B. eine Online-Umfrage gestartet, um zu testen, wie die Einstellung zu den Themen Nachhaltigkeit und Kleider leihen überhaupt ist. Es ist außerdem wichtig, auf seinen Körper zu achten. Gerade wenn man allein arbeitet, ist es wichtig, gesund und fit zu bleiben. Es darf nicht sein, dass man monatelang durcharbeitet, ohne freien Tag, ohne Wochenende. Dafür bekommt man früher oder später die Quittung. Dann liegt man flach und es geht gar nichts. Das hatte ich auch mal. Daraufhin habe ich mir eine Zeiterfassungs-App zugelegt, um mir einfach mal selbst vor Augen zu führen, wie viel ich eigentlich arbeite. Man täuscht sich da ganz schnell.
Und zuletzt: Fehler machen ist vollkommen in Ordnung! Es ist nun mal die erste Gründung und es ist ganz normal, dass man nicht so viel Ahnung hat. Daher: nach vorne schauen, weitermachen. Wenn man so eine Gründung als zweites Standbein neben dem Studium oder einer Teilzeitstelle aufzieht – perfekt. Unbedingt beibehalten. Natürlich dauert es dann länger, aber du musst dir keine Gedanken um deine Miete machen. Ganz egal, wie gut deine Idee ist, sie muss erst anlaufen, du musst dein Label oder was auch immer erst mal bekannt machen. Und in der Regel muss man zwei bis drei Jahre für den Start einplanen. Wenn nicht länger.

Und zum Schluss: Kannst du interessante Webportale/Blogs empfehlen, auf denen man sich über nachhaltige und faire Mode informieren kann?
Ja, da kenne ich einige. Gut finde ich z.B. green friday, eco komorebi und Daily Rewind.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Kristina Klecko, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei FEMNET e.V.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.