„Als Designerin trage ich Verantwortung für mein Produkt“ – Ein Gastbeitrag von Natascha von Hirschhausen

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Startup Studium

Natascha von Hirschhausen ist Absolventin der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Nach ihrem Master in Modedesign gründete sie ihr eigenes ethisches Modelabel („Natascha von Hirschhausen“) und rief im Sommer 2015 zusammen mit Stefanie Barz die Plattform aethic.de ins Leben. Die Online-Plattform thematisiert „Mode im Kontext von Ästhetik, Ethik und Innovation“ und plädiert für mehr Nachhaltigkeit in der Modeindustrie. Auf der Seite bekommen junge Designer_innen Impulse für nachhaltige Design-Strategien. In ihrem Gastbeitrag erzählt Natascha von Hirschhausen von ihrem Studium und wieso ökologische und soziale Aspekte bei der Entwicklung ihres eigenen Labels eine große Rolle spielten.

Text und Fotos: Natascha von Hirschhausen

Ich habe das Modedesign Studium an der Kunsthochschule Berlin Weißensee als sehr frei kennengelernt: Wenn man sich mit ethischer Modegestaltung auseinandersetzen wollte, konnte man das tun, wenn nicht, dann eben nicht. Für mich persönlich war das Thema spätestens ab dem 3. Semester zentral und mein Glück war, dass ich sowohl an der Mediadesign Hochschule Berlin, wo ich meinen Bachelor of Arts machte, als auch an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, Professoren hatte, die mich unterstützten. Allerdings muss ich leider auch sagen, dass es, vor allem an der KHB, durchaus Professoren gibt, die dem Thema, um es noch positiv auszudrücken, äußerst kritisch gegenüberstehen.

Eine verpflichtende fachliche Vertiefung in nachhaltiger und sozialer Gestaltung gab es leider kaum. Oft ist es vom besonderen Engagement Einzelner abhängig, ob das Thema besprochen wird oder nicht. So hatte ich beispielsweise die Chance, über die KHB am Projekt „lokal-international“ teilzunehmen. Das Goethe-Institut, die KHB und die UdK schlossen sich hier zusammen, um für junge Designerinnen und Designer aus Berlin und Dhaka eine Austausch- und Weiterbildungsmöglichkeit mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit und Mode zu schaffen. Im Laufe des Projektes erarbeitete ich nicht nur meine ersten innovativen „minimal-waste“-Schnitte, die ich im Master weiterentwickelte, sondern gründete auch zusammen mit Stefanie Barz das Online-Magazin aethic.de, das sich mit Mode rund um Ästhetik, Ethik und Innovation beschäftigt. Wir möchten Interessenten und Konsumenten eine Informationsplattform bieten, in der nachhaltige Labels, aber auch Zertifikate und Materialien vorgestellt werden. Zentral ist für uns, junge Labels mit besonderen und nachhaltigen Kollektionen zu unterstützen. Sie haben oft ein außergewöhnlich reizvolles Produkt und großes Fachwissen, aber nicht unbedingt eine große Reichweite. Hier wollen wir sammeln und vermitteln.

Natascha von Hirschhausen

Nataschas Label ist „pures, modernes Design mit Transparenz und hohen ökologischen und sozialen Standards“

Wie schon erwähnt, ließ mich ethische Modegestaltung ab dem dritten Semester nicht mehr los. Anfangs waren meine Kollektionen sehr radikal und konzeptuell. Es ging mir um die Frage, ob man Mode überhaupt nachhaltig gestalten kann bzw. wie weit man den nachhaltigen und sozialen Gedanken treiben könnte. Aus der intensiven Auseinandersetzung entstanden mehrere open-source- und zero-waste-Konzeptkollektionen, die ich später in einem Projekt unter der Leitung von Prof. Silke Hofmann mit der MD.H und der Künstlerin Gunna Schmidt weiterentwickelte.

Für meinen Master stellte ich neben dem Design und der sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit auch die tatsächliche Funktionalität des Kleidungsstückes in den Mittelpunkt. Ich musste dafür einen Weg finden, die Produktion auf Bestellung effizient zu gestalten. Konkret ging es mir darum, minimalen Verschnitt mit einer hervorragenden Passform und einem perfekten Produkt aus ethischen Materialien zu verbinden.

Aus der Masterkollektion entwickelte ich mein Label „Natascha von Hirschhausen“. Es verbindet pures, modernes Design mit Transparenz und hohen ökologischen und sozialen Standards für ein rundum gutes Produkt. Dieses wird in Berlin auf Anfrage produziert, um Überproduktionen zu vermeiden. Ich lade zur persönlichen Anprobe gerne in mein Atelier ein, wo die Samplekollektion wartet.

Warum fair? Weil ich der festen Überzeugung bin, dass ich als Designerin Verantwortung für mein Produkt trage, ob selbstständig oder angestellt in einem großen Betrieb. Deshalb kommt für mich eine Unternehmensführung, die nicht nachhaltig und sozial orientiert ist, gar nicht erst in Frage!

Natascha von Hirschhausen ist Modedesignerin und schreibt bei aethic.de über öko-faire Mode-Ideen.

Natascha findet ihr auch auf Instagram und Facebook.

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