3 Fragen an… Valerie, Studium Textiltechnologie und -management an der Hochschule Reutlingen

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3 Fragen an Interview Studium

Auf modefairabeiten.de lassen wir Menschen zu Wort kommen, für die Mode nur dann schön sein kann, wenn sie sozial gerecht und umweltfreundlich produziert wurde. Doch was lernen eigentlich angehende Modedesigner_innen, Bekleidungstechniker_innen, Einkäufer_innen usw. als künftige Gestalter_innen der Branche über soziale Produktion? In der Serie 3 Fragen an… beantworten Studentinnen und Studenten modebezogener Studiengänge Fragen zu ihrem Studium. Diesmal Valerie, die an der Hochschule Reutlingen Textiltechnologie und -management studiert.

#1 Wie heißt Du, wo und was studierst Du? Was ist aktuell Dein Schwerpunkt?

Ich heiße Valerie, bin 23 Jahre alt und studiere in Reutlingen Textiltechnologie und -management im 7. Semester. Seit dem 6. Semester liegt mein Schwerpunkt im Management.

#2 Werden Sozialstandards und Menschenrechte im Rahmen Deines Studiengangs behandelt? Wenn ja, in welcher Form? Wenn nein, würdest Du das wünschen und wie könnte das Angebot aussehen? Hast Du selbst an einem „fairen Projekt“ mitgearbeitet? Was kannst Du, Deiner Meinung nach, als Absolvent_in Deines Studienganges auf dem Gebiet bewirken?

Im Rahmen des Studiums werden die Missstände in der Textilbranche leider überhaupt nicht beleuchtet. Wenn überhaupt gehen Diskussionen von Studierenden aus, die meist aber schnell von den Professor_innen abgeblockt werden – nicht von allen, aber leider von den meisten. Der Schwerpunkt liegt definitiv auf Verfahrenstechniken, Ingenieursgrundlagen und Grundwissen der Wirtschaftslehre.

Ich finde es sehr schade, dass Themen der Nachhaltigkeit bisher keinen Platz in unserer Studienordnung gefunden haben. Unsere Branche steht im Licht der Öffentlichkeit mit all den Problemen, die sie mit sich bringt. Da ist es doch Pflicht, dass sich die Ingenieur_innen von Morgen mit den Problematiken auseinandersetzen und Lösungsansätze im Studium lernen. Was hilft es mir zu lernen, wie es die letzten Jahrzehnte gemacht wurde und was sich „bewährt“ hat, wenn wir mit dieser Arbeitsweise knapp werdende Ressourcen verbrauchen, Menschenrechte verletzen und das Wohl der zukünftigen Generationen gefährden?

Dass die Studierenden Interesse an der Thematik haben, zeigen die Angebote, die es neben dem Studium gibt. Das Seminar „Nachhaltigkeit in der textilen Kette“ beispielsweise findet jedes Semester statt und ist jedes Semester innerhalb kürzester Zeit voll belegt.

Außerdem gibt es am Campus die Studentengruppe für Nachhaltigkeitoikos. Ich selbst bin seit dem 2. Semester Mitglied und werde dieses Semester die Leitung übernehmen. Auch hier zeigt sich das große Interesse der Fakultät Textil und Design. Besser gesagt der Studierenden der Fakultät. Oikos organisiert Kleidertauschpartys, RepairCafés, Unternehmensvorträge und vieles mehr. Somit bekommen die Studierenden die Chance, sich neben ihrem Studium mit den Themen auseinanderzusetzen und Gleichgesinnte und Diskussionspartner_innen zu finden.

Einige Studierende fordern mehr Auseinandersetzung mit der Nachhaltigkeitsthematik im Studiengang. Und diese Stimmen werden lauter. Bei einer Vollversammlung im letzten Sommer kam ganz klar die Botschaft: Die Studierenden erwarten, dass das Thema nicht mehr ausgeblendet wird, sondern fester Teil des Curriculums wird.

In der Studienkommission wurde nun auch beschlossen, dass Thema anzugehen und diverse Module anzubieten. Ich freue mich sehr über diese Entwicklung und hoffe, dass die Ideen ernsthaft angegangen und umgesetzt werden.

#3 Wie präsent findest Du das Thema „Faire Kleidung“ insgesamt? Wie könnte man es Deiner Meinung nach, präsenter machen?

In meinem Freundeskreis im Studium und auch von der Schulzeit ist das Thema definitiv präsent. In einer Generation, die sich mit veganem Lebensstil, Zero Waste und all den anderen Bewegungen zum achtsameren Leben auseinandersetzt, wird kaum eine Diskussion über die Arbeitsbedingungen der Modebranche fehlen.

Allerdings weiß ich auch wie meine Freundinnen und ich mit 15 Jahren in Städte gefahren sind, die das große Angebot der Modeketten boten und unser gesamtes Taschengeld in jede Menge Kleidungsstücke tauschten.

Deshalb glaube ich, ist es wichtig sehr früh mit der Bewusstseinsbildung zu beginnen. Bildungsarbeit an Schulen sehe ich daher als große Chance etwas nachhaltig zu verändern.

Neben der Arbeit von FEMNET ist das Projekt Future Fashion der SEZ hierfür ein super Beispiel!

Außerdem könnte die gesamte Thematik mehr in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Am Beispiel Mikroplastik in den Meeren hat man gesehen, wie einige wenige Beiträge in der Tagesschau die Diskussion in die Wohnzimmer getragen haben. Vielleicht wäre es an der Zeit erneut in den Nachrichten aufzutauchen. Doch hoffentlich braucht es dafür nicht wieder ein so tragisches Ereignis wie Rana Plaza 2013.


Foto: privat
Am Beitrag wurden minimale redaktionelle Änderungen vorgenommen.

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