Nach dem Studium ins Projektmanagement: Vichy Ly von BEwusstsigner

Schreibe einen Kommentar
Karriere Marketing Startup

Dass man es als junger Designer heutzutage schwer hat, sich auf dem Markt zu etablieren und
selbstständig sein Business zu organisieren, weiß jeder, der den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Man ist häufig auf sich allein gestellt und manchmal fehlt nicht nur Know-How und Kapital, sondern schlichtweg auch Zeit. Denn neben Kollektionsentwürfen, stehen Marketing, Verkauf und Logistik auf der To-Do-Liste. Aufgaben, die viel Zeit und Mühe in Anspruch nehmen. Der Herausforderung, ein eigenes Modelabel zu gründen, wollte ich mich direkt nach meinem Bachelor-Abschluss erst einmal nicht stellen: Es ist schwer, sich in so einem übersättigten Markt durchzusetzen, vor allem, wenn einem der nachhaltige Aspekt am Herzen liegt und man keine Freundin von Überproduktion und Massenkonsum ist.

Ich habe in Berlin an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Modedesign studiert und beginne dort in Kürze meinen Master, ebenfalls im Bereich Modedesign mit dem Fokus auf Innovative Materialien und Produktmanagement. Themen wie das Einhalten von Sozialstandards und Menschenrechte gewannen während des Studiums immer mehr an Relevanz, denn auch das zunehmende Bewusstsein für Nachhaltigkeit war unter den Kommiliton_innen stark zu spüren und viele haben sich bei der Erarbeitung eigener Kollektionen damit auseinandergesetzt. Bei meinen eigenen Entwürfen, besonders bei meiner Bachelorkollektion, habe ich darauf geachtet, dass ich mit den Materialien arbeite, die bereits vorhanden waren bzw. die als “Abfallprodukte” gehandelt wurden. So habe ich beispielsweise alte Gardinen und Spitzendeckchen “upgecycelt” und ihnen wieder einen neuen Wert bzw. eine neue Funktion gegeben.

Seit September 2015 arbeite ich als Projektmanagerin bei BEwusstsigner und unterstütze junge Talente dabei, ihren Traum vom eigenen Modelabel zu verwirklichen. Als mich die Gründerin und Geschäftsführerin von BEwusstsigner, Yvonne Roth, kontaktierte und mir das Konzept erläuterte, war ich schnell überzeugt. Da ich selber Modedesignerin bin und außerdem viele Freunde und Bekannte im Designbereich habe, die sich selbstständig machen wollen oder die es bereits sind, weiß ich nur allzu gut um die Schwierigkeiten einer Labelgründung. BEwusstsigner bietet den Designern die Chance, ihre Produkte zu präsentieren und anzubieten – ohne das Risiko eingehen zu müssen, viel Kapital zu investieren.

Abschlusskollektion "Sincerely" © Vichy Ly

Abschlusskollektion “Sincerely” © Vichy Ly

Das Prinzip des Crowdbuyings ist einfach. Die Designstücke werden erst dann produziert, wenn sich genügend Käufer gefunden haben. Der Unterschied zum Crowdfunding besteht darin, dass die Kundin oder der Kunde beim Crowdbuying das Endprodukt erhält, welches durch ihn und 29 andere Käufer ermöglicht worden ist. Die Zahl ist dabei limitiert und garantiert dem Käufer eine Exklusivität der Produkte. Produziert wird in einer renommierten Modeschneiderei in Berlin. Die Designer liefern das Musterteil und werden nach erfolgreicher Projektphase prozentual am Gewinn beteiligt.

Die Arbeit bei BEwusstsigner macht mir viel Spaß. Die Designer kommen mit ihren individuellen Designs zu uns und haben eigene Vorstellungen, denen wir versuchen, gerecht zu werden. Wir legen im Gegenzug Wert darauf, dass die Designer den gleichen Ansatz der Nachhaltigkeit vertreten wie wir. D.h. dass sie die Kollektion bereits bewusst nachhaltig konzipiert haben und sich bemühen, zertifizierte Stoffe zu verwenden, die unter nachhaltigen, fairen, sozialen und umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt wurden. Außerdem lehnen wir Fast Fashion ab: Wir setzen die Produzent_innen nicht unter Druck und fördern Kleidungsstücke, die nicht nur für eine Saison geschneidert wurden, sondern zu Lieblingsteilen für mehrere Jahre werden. Es wird nur das produziert, was auch wirklich benötigt wird.

BEwusstsigner bietet dem Modenachwuchs eine optimale Plattform, indem es die gesamte Infrastruktur – von der Vorbereitung über Produktion bis hin zum Vertrieb der Kollektionen –bereitstellt. Die Designer können sich so auf ihre Kollektionen konzentrieren. Auf der Plattform werden Designer und Kunden zusammengeführt. Für den Designer entstehen bis auf die Herstellungskosten der Musterteile keinerlei Kosten.

Es ist spannend zu beobachten, wie sich die einzelnen Projekte und das Unternehmen selbst mit der Zeit entwickeln. Ich bin gespannt auf zukünftige Kooperationen! Und ich glaube fest daran, dass die Nachfrage nach Qualität und Individualität und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit auch in der Modebranche deutlich steigen werden.

Text und Foto: Vichy Ly

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.