3 Fragen an… May, Studium Ökonomie und Gesellschaftsgestaltung an der Cusanus-Hochschule

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3 Fragen an... May, Studium Ökonomie an der Cusanus-Hochschule

Auf modefairabeiten.de lassen wir Menschen zu Wort kommen, für die Mode nur dann schön sein kann, wenn sie sozial gerecht und umweltfreundlich produziert wurde. Doch was lernen eigentlich angehende Modedesigner_innen, Bekleidungstechniker_innen, Einkäufer_innen usw. als künftige Gestalter_innen der Branche über soziale Produktion? In der Serie 3 Fragen an beantworten Studentinnen und Studenten modebezogener Studiengänge Fragen zu ihrem Studium. Diesmal May, die an der Cusanus-Hochschule in Bernkastel-Kues Ökononmie studiert und parallel dazu ein Volontariat bei FEMNET e.V. absolviert.

#1 Wie heißt du, wo und was studierst Du? Was ist aktuell dein Schwerpunkt?

Ich heiße May und studiere Ökonomie mit dem Schwerpunkt Gesellschaftsgestaltung an der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues. In meinem Masterstudiengang geht es vor allem darum, wie unsere Art und Weise über Wirtschaft zu denken – bewusst oder unbewusst – nahezu alle anderen Bereiche der Gesellschaft beeinflusst.
Zum einen interessiert mich die Rolle von Wissenschaft für zukunftsfähige Gesellschaften: Was muss Wissenschaft ermöglichen, um eine solche Rolle einnehmen zu können? Zum anderen interessiert mich, unter welchen – ökonomisch geprägten – Voraussetzungen wir in modernen westlichen Gesellschaften leben und welche Erwartungen das mit sich bringt, wie wir „zu sein haben“. Wie können wir uns dieser Erwartungen bewusst werden und wie können wir in unserer „freien“ Gesellschaft Freiheit zur Selbstgestaltung erlangen?

#2 Werden Sozialstandards und Menschenrechte in Deinem Studiengang behandelt? Was kannst Du bewirken?

Ich würde sagen, dass diese Themen immer mitschwingen. Beispielsweise geht es im ersten Semester meines Studiums unter anderem darum, wie sich das Denken über Wirtschaft von der Antike bis in die Gegenwart verändert hat. Zu begreifen, wie es dazu gekommen ist, dass ‚Wirtschaft‘ von einem gut geführten Haushalt im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs mit Ressourcen zu einer Wachstumsmaschine geworden ist, lässt Themen wie Ungleichheit und Ausbeutung nicht unberührt. Insgesamt sind unsere Studieninhalte sehr breit gefächert und ermöglichen den Studierenden, ihre eigenen Schwerpunkte einzubringen. Auf diese Weise fließen diese Themen also auch ein, weil viele unter uns sich Gedanken über die Auswirkungen ihres Konsums machen und versuchen möglichst wenig und möglichst fair zu konsumieren. Vieles versuchen wir auch im Kleinen exemplarisch umzusetzen. Beispielsweise üben wir untereinander einen solidarischen Umgang mit Geld. Das heißt, für Ausgaben wie Essen und Unterkunft gibt es Richtwerte und je nach finanzieller Situation kann man mehr oder weniger zahlen. Damit ist zwar im globalen Süden noch niemandem konkret geholfen, aber wir lernen auf diese Weise, dass es nicht „normal“ sein muss, Geld anzuhäufen und nur an sich zu denken. Wenn es heißt, wir seien alle ‚Homo oeconomici‘ wird ja genau diese Annahme getroffen.

#3 Wie präsent ist das Thema „Faire Kleidung“ insgesamt?

Es fällt mir schwer, diese Frage zu beantworten. Ich habe viel mit Menschen zu tun, die sich mit der Herkunft ihrer Kleidung beschäftigen und glaube, das verzerrt mein Bild. Und seit ich bei FEMNET arbeite, gibt es keinen Tag, an dem ich nicht an die Missstände in der Bekleidungsindustrie denke.
Mein Zugang zum Thema entstand zuerst über die ökologische Nachhaltigkeit. Im Kontext der Cusanus Hochschule kam ich dann das erste Mal mit richtiger Konsumkritik in Kontakt und das hat mich noch einmal ganz anders wachgerüttelt. Dazu kam, dass wir im Studium auch viel über Beeinflussung gesprochen haben und darüber, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem auf Konsumenten angewiesen ist. Dadurch habe ich angefangen mein Konsumverhalten zu beobachten und zu hinterfragen. Es hat mich befremdet zu bemerken, wie sehr ich auf bestimmte Werbeaktionen reagiere oder dass ich versuche innere Leere oder Unzufriedenheit im Kauf von schöner Kleidung zu ertränken. Mir darüber bewusst zu werden, wie fremdbestimmt ich in solchen Situationen bin, hat es mir leichter gemacht auf Distanz zu gehen. Heute stößt es mich nur noch ab, wenn ich die großen ‚Sale‘-Schilder in der Stadt sehe. Ich liebe schöne Kleidung, aber wie viel davon brauche ich?
An manchen Tagen habe ich den Eindruck, nur von minimalistischen Kleiderschränken sowie Fans von Kleidertauschpartys, Second Hand und fairen Labels umgeben zu sein. Wenn ich dann aber aus meiner Seifenblase heraustrete, gibt es aber doch auch immer noch die prallgefüllten Tüten von H&M und Konsorten sowie die Menschen, die erschreckend wenig darüber wissen, wo ihre Kleidung herkommt. Ich sehe aber auch ein, dass faire und nachhaltige Kleidung ihren (berechtigten) Preis hat, den sich nicht jede und jeder leisten kann. Daher bin ich froh, dass FEMNET sich nicht nur für die Aufklärung der Konsument_innen einsetzt, sondern auch dafür, dass die Arbeitsbedingungen auch im herkömmlichen Bereich der Branche deutlich verbessert werden.

Foto: privat

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