„Was zum Henker?!“ Abenteuer ökofaires Label

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„Ganzheitlich. Transparent. Wertvoll. Ökologisch. Fein. Gemeinsam. Anspruchsvoll. Verlässlich. Authentisch. Nachvollziehbar. Durchdacht. Gut. Schön.“ – so beschreibt sich das Modelabel SHIPSHEIP auf der eigenen Website. Klingt nach viel Arbeit? Ist es auch. Macht aber auch viel Spaß!

Text von Danny Wawrzyniak. Fotos von Christoph Benjamin Schnedler.

Von Zeit zu Zeit, in ziemlich regelmäßigen Abständen, fassen wir uns an den Kopf, schütteln ihn leicht hin und her und fragen uns Was zum Henker machen wir hier eigentlich?  Oder, in einer leicht abgewandelten Variante: „Was genau haben wir uns dabei nochmal gedacht?“ Warum wir uns solche Fragen stellen? Simpel. Wir haben uns selbstständig gemacht.

Im letzten Oktober, gerade ein paar Monate her, haben wir unser Eco-Fashionlabel SHIPSHEIP gegründet. Von der ersten Idee bis zur wirklichen Umsetzung hat es dabei vier Jahre, zwei Städte und eine Reise nach Indien gebraucht. Und auch wenn die obigen Fragen anderes suggerieren: Es hat sich gelohnt. Denn mit unserem Label – egal wie anstrengend oder wahnsinnig es zwischenzeitlich ist –  machen wir genau das, was wir immer schon machen wollten: Ethik & Ästhetik miteinander verbinden.

Als wir 2011 zusammen in Berlin gewohnt haben, hat das ganze langsam seinen Lauf genommen. Wir haben beide noch studiert – Joana Modedesign, Danny Theologie mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik – und haben dabei schnell gemerkt, dass sich unsere persönlichen Interessen und Studiengänge perfekt ergänzen. Die Leidenschaft für Mode auf der einen Seite. Das ausgeprägte Selbstverständnis, so arbeiten, produzieren lassen und leben zu wollen, dass es nicht auf Kosten anderer geht, auf der anderen Seite. Zwei Faktoren haben uns darin sehr bekräftigt: Die Tatsache, dass Mode schon lange nicht mehr das ist, was sie sein sollte. Zwölf Kollektionen pro Jahr und täglich neue Trends haben weder etwas mit kreativem Design zu tun, noch damit, dass Kleidung Ausdruck und Inspiration bedeutet. Dazu die katastrophalen Umstände und Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern, die nicht nur extrem zu Lasten von Umwelt und Klima gehen, sondern die für die Herstellung eines T-Shirts Menschenrechte mit Füßen treten.Shipsheip_Christoph Benjamin_Schnedler2

Die Motivation, ein eigenes Label zu gründen, rührt daher insbesondere aus der Überzeugung, es nicht nur anders machen zu wollen – weil alles andere unserer Meinung nach inakzeptabel wäre – sondern es anders machen zu können. Weil wir wissen, dass wirtschaften auch so funktionieren kann, dass alle Beteiligten davon profitieren. Die große Vision ist dabei nichts weniger als das: Unseren Part dabei spielen, ecofaire Mode zum Alltag machen.

Wie oben angedeutet, ist das beizeiten nicht einfach. Vielmehr sieht man sich als Start-Up etlichen Dingen gegenüber, die man noch nie gemacht hat, für die man eigentlich mehr Budget bräuchte oder die man in seinem Zeitplan einfach nicht mehr unterkriegt. Man lernt schnell, weiter als bis zum B-Plan zu denken, findet sich irgendwann mit einem soliden Imperfektionismus ab und wird zunehmend tiefenentspannt, wenn mal wieder Improvisationsbedarf besteht. Nicht umsonst lautet unser inoffizielles Motto bei SHIPSHEIP längst schon Knapp auf Kante.

Warum man sich trotzdem darauf einlassen sollte? Weil es, abgesehen von den ganzen Softskills, die man dabei lernt, noch viele junge Labels mehr braucht, die Mode und Wirtschaft neu denken. Nachhaltig. Die ernstzunehmende Designs entwerfen und dabei ganz selbstverständlich auf die Menschen hinter ihren Produkten achten. Weil das die einzig denkbare Zukunft ist. Und weil es keine bessere Zeit als jetzt gibt.

Auf der letzten Berliner Fashionweek ist deutlich geworden, dass ecofaire Mode auf dem Vormarsch ist. Dennoch ist sie de facto, verglichen mit dem Weltmarkt, immer noch ein Nischenphänomen. Insbesondere die großen Unternehmen tun sich schwer damit, wirkliche Änderungen an den Tag zu legen. Die Nachfrage dafür wächst jedoch. Nicht nur auf einem ethischen Level, weil Konsument_innen verstärkt auf das “Who made my clothes?“ achten. Sondern auch, weil die Ära der Fast Fashion langsam aber sicher passé ist und die Tendenz wieder dahin zurückkehrt, Dinge mit Wert, Kreativität und Dauer zu schaffen.

Und schließlich, unser ganz persönlicher Grund dafür, der sämtliche Strapazen und Aufregungen rechtfertigt und simpler nicht sein könnte: Wir lieben, was wir tun. Und tun, was wir lieben. Weil wir zu 100% dahinterstehen. So, wie man nur hinter der eigenen Sache stehen kann.

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7 Tipps zur Labelgründung:

Holt euch von Anfang an regelmäßiges Feedback zu euren Ideen, Plänen und Produkten ein.

Auch wenn das Budget knapp ist: das Geld für den Gründercoach sollte man in jedem Fall investieren. Zuschüsse, sodass man immerhin nur die Hälfte zahlen muss, bekommt man relativ einfach über verschiedene Banken.

Tauscht euch mit anderen Gründer_innen aus! Coworking Spaces wie der Startplatz, das Social Lab oder das Colabor in Köln sind dafür ideal. Dort bekommt man immer neue Anregungen, Ideen und kann sich leicht vernetzen.

Sucht nach Kooperationen oder Zwischenhändlern, wenn ihr sonst an Bestellmengen oder -möglichkeiten scheitert. Hilfreiche Infos gibt es dazu ganz frisch in der „Sustainable Sourcing“-Broschüre von FEMNET.

Überlegt, ob Crowdfunding für euch sinnvoll ist. Damit schafft man sich nicht nur eine alternative Finanzierungsmöglichkeit, sondern vergrößert darüber hinaus seinen Bekanntheitsgrad.

Kommunikation ist alles! Trefft klare Absprachen und Aufgabenverteilungen. Das spart Zeit und Frustration.

Und zu guter Letzt: Besucht eure Handelspartner_innen! Denn nichts ist prägender, als die Menschen hinter seinen eigenen Produkten kennenzulernen.

Danny ist Mitgründerin des Eco-Fashionlabels SHIPSHEIP, das im Herbst 2015 gelauncht wurde. Im Moment läuft die Crowdfundingkampagne für die Finazierung der zweiten Kollektion auf startnext.

1 Kommentare

  1. Andrea sagt

    Vielen Dank für diesen erfrischenden und ehrlichen Beitrag, Danny.
    Ich war direkt auf Startnext und drücke Euch die Daumen, dass in den verbleibenden Tagen noch ganz viele Unterstützer vorbei kommen.
    Andrea

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