Tauschen, mieten, leihen – Neuartige Formen des Kleidungskonsums – Teil 2

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Interview Mode Studium Upcycling

Wer neue Klamotten haben will, muss sie kaufen?!  Das muss nicht sein. Es geht auch anders: Carolin Becker-Leifhold promoviert derzeit an der Universität Ulm zum Thema kollaborative Arten des Modekonsums. Dabei steht nicht mehr unbedingt der persönliche Besitz, sondern die Nutzung eines Kleidungsstücks im Vordergrund. Das Sparen von Ressourcen und der verlängerte Lebenszyklus eines Kleidungsstücks sind da nur zwei Vorteile. In Teil 1 des Interviews von Jana Böker gibt Carolin Einblicke, wieso Näh- und Repaircafés sich neuerdings einer immer wachsenden Beliebtheit erfreuen. Teil 2 beantwortet unter anderem die Fragen: Was sind eigentlich Fashion Libraries? Sind sie nur ein Trend?

In deiner Doktorarbeit beleuchtest du verschiedene Modelle für neuartigen, kollaborativen Kleidungskonsum. Kannst du uns zwei kurz vorstellen, die die breite Masse noch gar nicht kennt?

Carolin Becker-Leifhold: Fashion Libraries funktionieren im Grunde wie Bibliotheken für Bücher. Man leiht sich Kleidung gegen Entrichtung einer Nutzungsgebühr aus. Je nach Anbieter unterscheiden sich die Modelle ein bisschen. Bei manchen schließt man ein Abo ab, zahlt monatlich eine bestimmte Rate und erhält dafür ein Überraschungspaket mit drei bis vier Teilen, die auf den persönlichen Geschmack und Stil abgestimmt werden. Bei anderen Anbietern schließt man kein Abo ab und leiht sich nach Bedarf ein oder mehrere Kleidungsstücke aus. In der Regel gibt man die Sachen nach vier Wochen zurück und erhält im nächsten Monat ein neues Paket. Das ist die Onlinevariante. Es gibt aber auch Kleiderbibliotheken, die wie ein normaler Laden in der Stadt funktionieren. Dort geht man hin und kann vor Ort in den Sachen stöbern, anprobieren, sich mit anderen beraten und etwas ausleihen.

Eine andere Möglichkeit ist das Tauschen von Kleidung. Das kann man entweder online machen über bekannte Internetseiten machen oder man geht zu einer Kleidertauschparty. Kleidertauschpartys werden entweder privat organisiert oder im größeren Stil von Organisationen wie beispielsweise Greenpeace oder Oikos Hochschulgruppen. Dort geht man mit Kleidung, die natürlich noch gut erhalten sein sollte, hin und erhält meist Wertmarken für die abgegebene Kleidung. Die Marken kann man dann wieder eintauschen für ein Kleidungsstück, das man gerne mitnehmen möchte.

Carolin Becker-Leifhold (c) Privat

Nutzt du selber kollaborativen Modelle, wenn du mal wieder etwas Neues im Kleiderschrank hängen haben möchtest?

Für meine Doktorarbeit habe ich schon Kleiderbibliotheken getestet und ab und zu gehe ich auch auf Kleidertauschpartys. Manchmal tausche ich auch privat mit Freundinnen, nähe etwas bei unseren Workshops oder ändere alte Stücke um.

Wie geht es weiter? Sind die Konsummodelle ein Trend, der bald wieder verschwindet? Oder haben sie das Potenzial für einen Pfeiler des Modemarktes – neben dem obligatorischen Gang zu H&M und Zara oder zum wöchentlichen Second-Hand Markt?

Ich hoffe sehr, dass sich diese Entwicklung weiter durchsetzen und verbreiten wird. Meiner Meinung nach haben die kollaborativen Konsummodelle Potenzial, da sie die Möglichkeit bieten, sich abwechslungsreich zu kleiden, ohne dafür immer wieder neue Kleidung kaufen zu müssen. Das Bedürfnis nach neuer Kleidung oder neuen Trends zu folgen, kann so befriedigt werden. Gleichzeitig werden Ressourcen geschont und die Entsorgung nach kürzester Zeit vermieden. Einige Unternehmen integrieren solche Ansätze ja auch schon in ihr Geschäftsmodell, zum Beispiel Angebote zum Mieten, Reparieren oder Take-Back. Außerdem arbeite ich mit in dem Projekt „Dietenheim zieht an“, in dem Wissenschaftler der Universität Ulm und der Hochschule Reutlingen forschen und arbeiten – für eine Trendwende der Textilwirtschaft.

Vielen Dank für das Gespräch.

Hier geht es zu Teil 1 des Interviews von Jana Böker, in dem Carolin Einblicke gibt, wieso Näh- und Repaircafés sich  einer immer wachsenden Beliebtheit erfreuen

Fotos: FEMNET/ C. Becker-Leifhold

 

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