Orientierung für faire Mode – Interviews zum neuen Fair Fashion Guide: Teil 2

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Der erste bundesweite Fair Fashion Guide ist am 22. April 2017 erschienen, kurz vor dem Gedenktag an Rana Plaza. Auf 34 Seiten zeigen Profi-Models faire Mode, die unter menschenrechtlich verantwortlichen Bedingungen hergestellt wurde. Zudem gibt es Tipps zum nachhaltigen Konsum: von der Kleiderpflege über’s Teilen und Tauschen bis zum Up-Cycling. Der Guide ist eine Zusammenarbeit von FEMNET,  dem Beneficial Design Institute Berlin (Friederike von Wedel-Parlow, Chefredaktion) und Nicole Hardt (Creative Direction) – mit beiden sprechen wir heute. Zuvor haben wir Dr. Gisela Burckhardt, Vorstandsvorsitzende von FEMNET, interviewt.

Bitte stellt euch kurz vor.   
Nicole Hardt: Ich habe als Creative Director in den Mode Metropolen Europas gearbeitet und als Freelancer für internationale Modebrands und Werbekunden Kampagnen und visuelle Konzepte für deren Markenidentität entwickelt. Nach dem Modedesign-Studium bei Vivienne Westwood und der Mitarbeit an einigen Design-Kollektionen in ihrem Studio in London, entschied ich mich, zurück nach Berlin zu gehen und mein eigenes Modemagazin zu launchen.
2005 zog ich nach Paris, wo ich neben meinem Magazin für Kunden wie Anne Fontaine, Shu Uemura und Encens arbeitete. Meine Erfahrungen als Creative Director und Publisher machten sich bezahlt, als ich für die Tranoi und Pret-a-Porter Paris Magazinkonzepte entwickelte. Acht Jahre später, zurück in Berlin war es meine Aufgabe eine neue Bildsprache für Zalando zu kreieren, den es als Modemarke neu zu positionieren galt, und baute das Zalando Image-Department mit einem 20-köpfigen internationalem Team auf. Inzwischen bin ich mit meiner eigenen Creative Agentur TentoTwelve & Lasting Collective selbständig, mit einem Focus auf nachhaltigen Modebrands.

Friederike von Wedel-Parlow: Ich bin Modedesignerin und verbinde in meiner Arbeit Qualität, Schönheit und Innovation. Dafür habe ich gerade ein Institut für Beneficial Design gegründet und arbeite mit verschiedenen Partnern und Firmen an ganzheitlichen Innovationskonzepten und umfassender Qualität. Closed Loop und Cradle to Cradle sind meine Schwerpunktthemen.
Die letzten sechs Jahre habe ich einen Masterstudiengang für „Sustainability in Fashion“ an der Kunsthochschule ESMOD Berlin aufgebaut und das Programm als Professorin für „Sustainable Design Strategies“ geleitet. Viele Jahre habe ich mein eigenes Label geführt, international präsentiert und vertrieben, als Kostümbildnerin für Film und Fernsehen gearbeitet und war künstlerische Mitarbeiterin bei Vivienne Westwood an der Universität der Künste (UdK) Berlin.

Wie seid ihr zum Fair Fashion Guide gekommen?
N.H.: Wir kennen uns schon lange aus der UdK. Wir haben beide bei Vivienne Westwood in der Klasse Modedesign studiert, nach der Uni jedoch beruflich unterschiedliche Laufbahnen eingeschlagen. Vor rund anderthalb Jahren haben sich unsere Wege auf einer Konferenz gekreuzt und wir haben wieder Kontakt zueinander aufgenommen. Uns wurde schnell klar, dass sich unsere beiden Kompetenzen perfekt ergänzen. Seit dem Moment planen wir, an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. Gemeinsam das Konzept für den Fair Fashion Guide zu entwickeln, war der perfekte Auftakt.

Welche Rolle hattet ihr bei der Umsetzung?
Die Rollen, die wir bei der Umsetzung einnehmen, waren aus unserem beruflichem Werdegang schnell klar definiert: Friederike hat die Kompetenz und das Wissen im Bereich des nachhaltigen Designs und Produktion, um die inhaltliche Konzeption zu entwickeln und Nicole die Kompetenz als Creative Direktor die gestalterische Konzeption und Umsetzung zu leiten. Das Ganze natürlich in Abstimmung mit FEMNET. Nicole hat alle Kreativ-Teams für die visuelle Umsetzung zusammengestellt, gebrieft und in der Ausführung geleitet, während Friederike dasselbe für die inhaltliche Ausgestaltung übernommen hat.

Was war euch bei der Konzeption des FFG wichtig und wie hat die Umsetzung funktioniert?
F.v.W.-P.: Inspiration und Aktivierung waren unsere Werte und Ziele, nach denen wir den Guide entwickelt haben, wir wollen die Leser zum Handeln bringen. Der Fair Fashion Guide ist ein Plädoyer für den Kleiderschrank der Zukunft und will dazu anregen Mode mit gutem Gewissen zu leben. Wie ein Modemagazin will er inspirieren, faire Mode feiern und gleichzeitig zum Nachdenken und Ändern des Konsumverhaltens anregen. Mit Interviews, Modestrecken und Tipps zum Nachstylen, in einer Bildsprache, die der jungen Zielgruppe aus Magazinen vertraut ist. Hierfür war es in erster Linie wichtig, dass wir die richtige Sprache finden (sowohl in der Wortwahl als auch in den Bildern, mit denen wir die Geschichten erzählen wollten), um unsere Zielgruppe zu erreichen. Wir möchten wichtige Inhalte leicht verdaulich und modisch ansprechend vermitteln und zeigen, das Mode und Nachhaltigkeit absolut zusammengehören. Heute ist das kein Widerspruch mehr.

Titelseite des Fair Fashion Guide. (c) SoMe_AxlJansen

N.H.: Wir haben ein Konzept entwickelt, das sich wie ein klassisches Magazin aufbaut, das unter anderem Artikel, ein Interview, eine Modestrecke und einige wertvolle Tipps beinhaltet. Dann ging es darum, die Inhalte konkreter zu definieren und Moodboards für die Bildsprache zu erstellen. Beides sollte gut miteinander harmonieren. Als dieses Gerüst stand, waren unsere Kontakte und sich ergänzenden Kompetenzen sehr hilfreich, um die Inhalte zu füllen und die Produktionen auf dem angestrebten, hohen Niveau mit dem im Verhältnis zu konventionellen Produktionen knappen Budgetrahmen auszuführen. Der Abstimmungsprozess mit FEMNET war dabei besonders spannend, weil wir aus so völlig unterschiedlichen Bereichen zum Thema nachhaltige Mode gekommen waren und sehr unterschiedliche Perspektiven darauf haben.

Was wünscht ihr euch für den Fair Fashion Guide?
Wir wünschen uns sehr, dass der Fair Fashion Guide viel und gerne gelesen wird und unsere Zielgruppe bewegen kann, das Modesystem in seiner Komplexität besser zu verstehen. Vor allem, dass er inspirieren kann, sich mit nachhaltigem Design auseinander zu setzen und über das eigene Konsumverhalten nachzudenken. Wissen ist die Essenz für ein bewusstes Handeln.
Dann wünschen wir uns, dass diese Ausgabe nur der Auftakt zu einer Reihe von Fair Fashion Guides ist. Es gibt noch sehr viele Themen, die behandelt werden können und die wir in dem jetzigen Format nur kurz ansprechen oder leider gar nicht erwähnen konnten.

Was hat euch an der Arbeit zum Fair Fashion Guide besonders Spaß gemacht?
Das Projekt hat uns als Ganzes und seiner gesamten Komplexität sehr viel Spaß gemacht. Für uns ist immer der Kontakt zu Menschen wichtig und für die Arbeit inspirierend. Unter diesem Aspekt waren unsere Highlights die Reise nach Stockholm, um dort das Portrait Shooting und das Interview mit Elin Larsson zu produzieren, sowie die Interviews mit unseren Experten während des Green Showroom in Berlin und das Umsetzen des Editorials.

Der Fair Fashion Guide ist erhältlich über: FEMNET e.V., Kaiser-Friedrich-Str. 11, 53113 Bonn, www.femnet-ev.de gegen eine Schutzgebühr von 1,- EUR/Exemplar plus Versandkosten.
Hier geht es zum ersten Teil des Interviews.

Fotos: SoMe_AxlJansen

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