Mehr Nachhaltigkeit und Ethik an Hochschulen – Studierende fordern den Wandel!

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Kampagne Studium

Wir beschäftigen uns hier auf dem Blog und bei FEMNET mit Ethik- und Zukunftsfragen in der Mode und in Modestudiengängen. Heute, am Tag des Gedenkens an den Einsturz des Rana-Plaza-Gebäudes ist das wichtiger denn je. Aus diesem Anlass stellen wir euch –  wie auch in den letzten Jahren rund um den April  – engagierte Studierende vor,  die richtig etwas ändern wollen.

Die Initiative „Nachhaltige Hochschule“ schlägt den großen Bogen: An Hochschulen wird Nachhaltigkeit insgesamt viel zu wenig thematisiert – und erst recht zu wenig gelebt. Welche Studierenden hinter der Initiative stehen und was genau sie wie verändern wollen, verraten Jana vom netzwerk n e.V. und Lukas von Was bildet ihr uns ein? e.V. in ihrem Gastbeitrag.

 

Soziale, wirtschaftliche und ökologische Nachhaltigkeit sowie Ethik sind an deutschen Hochschulen immer noch ein Nischenthema. Das ist leider nicht nur beim Thema gerechte und ökologische Kleidung(sproduktion) so, sondern in Bezug auf ganz viele Disziplinen und Themenbereiche: Sei es ethische Robotik, sozialer Maschinenbau oder ökologisch inspirierte Geschichte oder Umweltrecht. Fragen wie Gesellschaft gerechter, nachhaltiger und sozialer gestaltet werden kann, werden, wenn überhaupt, nur leise gestellt.

Mit der Initiative Nachhaltigkeit und Ethik an Hochschulen wollen wir genau das ändern. Als vier Bildungsvereine, die aus verschiedenen Perspektiven auf diesen Themenkomplex blicken, haben wir uns in der Initiative zusammengetan. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht bisher die Erstellung und Verbreitung unseres gleichnamigen Forderungs- und Positionspapiers. In diesem bündeln wir Positionen vieler Akteure im Bereich der Hochschultransformation. Im Kern geht es in den Forderungen und den von uns vorgeschlagenen Maßnahmen darum, die Hochschule als Organisation insgesamt und im Speziellen die einzelnen Bereiche Forschung, Lehre, Governance und Betrieb nachhaltig zu gestalten.

Die drei übergeordneten Ziele, die wir mit dem Papier verfolgen sind:

  1. Das Verantwortungsbewusstsein für einen nachhaltigen Umgang in Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt bei Hochschulleitungen, Studierenden, Wissenschaftler*innen und den weiteren Hochschulangehörigen zu fördern.
  2. Alle Hochschulangehörigen und Verantwortlichen der Wissenschaftspolitik zu strukturellen Veränderungen in den Bereichen Lehre, Forschung und Betrieb anzuregen und konkrete Wege des Wandels aufzuzeigen.
  3. Nachhaltiges und ethisches Handeln als Selbstverständlichkeit in Hochschulen und so in der Konsequenz auch in der Gesellschaft zu etablieren.

Nachhaltigkeit und Ethik in der Lehre

Für Studierende ist natürlich die Lehre der zentrale Berührungspunkt mit ihrer Hochschule – auch wenn fair produzierte Merchandise-Produkte, faire Bekleidung von Reinigungskräften und FairTrade Kaffee ebenfalls wichtige Elemente einer Transformation von Hochschulen ausmachen. Unsere Forderungen für Lehre sind: Die Förderung von kritischem Denken, eine Vielfalt in der Methoden- und Theorieausbildung, die Befähigung komplexe Probleme zu überblicken und zu verstehen sowie Anreize zu schaffen, sodass Lehrende ihren Job gut machen können.

Die Maßnahmen, die wir dazu zusammengestellt haben, sind vielfach solche, die bereits morgen oder spätestens übermorgen umgesetzt werden könnten: Studierende können selbstständig Lesekreise oder Projekte initiieren, die jenseits des Curriculums bestehen oder Lehrende dazu ermutigen, bestimmte Themen (z.B. Fragen globaler Gerechtigkeit oder ethische Aspekte) in die Veranstaltungen mit aufzunehmen. Lehrende können Ringvorlesungen organisieren oder sich in ihrer Fakultät dafür einsetzten, dass praktische Projekte (so genannte Lehrforschungen) in Studiengänge übernommen werden.

Die Hochschule ist ein Ort, in dem idealerweise eigenes Engagement einen Platz findet, gefördert und wertgeschätzt wird. Sowohl Lehrende als auch Studierende haben die Mittel und oft auch die Kapazitäten, anderes auszuprobieren und Neues einzubringen. Häufig braucht es dafür neben guten Ideen und Motivation, Pionier*innen vor Ort, die es vormachen und mit gutem Beispiel voran gehen. Viele Hochschulen und Initiativen zeigen wie es gehen kann.

Wie wir weitermachen

Um unsere Ideen in die Hochschulen zu tragen und dort zu verankern haben wir eine Petition gestartet. Diese soll Aufmerksamkeit auf unser Anliegen lenken und unseren Forderungen Legitimität verschaffen. Natürlich wissen wir, dass eine Petition nicht direkt die Welt – oder die Hochschulen – verändert. Zusammen mit Dialogformaten, wie der perspektive n kann dies schon eher gelingen: Vertreter*innen aller Statusgruppen einer Hochschule kommen zusammen, um über konkrete Möglichkeiten und Wege für mehr Nachhaltigkeit an der eigenen Institution zu diskutieren. Der Vorteil dabei ist, dass man nicht nur übereinander, sondern miteinander spricht. Die Erfahrung zeigt, dass aus solchen Runden tolle Projekte entstehen können. Hochschulen sind langsame Organisationen und Wandel benötigt viel Beharrlichkeit und das Engagement Vieler. Gleichzeitig lohnt sich dieser Einsatz hier ganz besonders: Studierende haben so die Chance, das Gelernte in die Welt und ihre zukünftigen Jobs zu tragen und somit dazu beizutragen, einen sozialen, ethischen und ökologischen Wandel zu ermöglichen. Ein erster Schritt dazu von Dir kann sein, unsere Forderungen zu unterstützen und auch an Deiner Hochschule bekannt zu machen.

Fotos: © Nachhaltige Hochschulen

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