Hauptstadt der Fair Fashion: Green Fashion Tour in Berlin

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Faire Orte

Text und Fotos von Caterina Marcucci.

Meine erste Green Fashion Tour startet am Postbahnhof in Friedrichshain. Es ist Fashion Week in Berlin und ich möchte mir vor der „Ethical Fashion Show“ gerne einen Eindruck vom Ist-Zustand der Berliner Fair Fashion und Upcycling- Szene machen. Die Tour durch Friedrichshain und Kreuzberg soll Antworten auf meine Fragen bieten: wo kann man schon faire Mode in Berlin kaufen? Welche Upcycling-Designer und Ateliers gibt es hier? Was bietet die Hauptstadt den nachhaltig denkenden Konsument_innen?

Eine ganze Gruppe von internationalen Tour-Teilnehmer_innen findet sich am Treffpunkt ein. Unser Guide Ambra lotst uns zur U-Bahn. Sie ist Modedesignerin und arbeitet seit August für das Projekt Green Fashion Tours Berlin. Es gibt 5 Touren durch die verschiedenen Kieze, die alle zwischen 3,5 und 4,5 Stunden dauern und in verschiedenen Sprachen angeboten werden. In der U-Bahn zur Warschauer Straße stellen sich alle kurz vor und es wird deutlich, dass hier Leute mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Berufen zusammengekommen sind. Ambra bestätigt mir: „Jeder kann mitkommen!  Natürlich sind oft Studierende aus verschiedenen Nachhaltigkeitsbereichen dabei, vor allem aus der Mode. Oft aber auch einfach Leute, die am Thema interessiert sind. Es ist immer sehr gemischt.“

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Teilnehmer_innen der Green Fashion Tour bei loveco

Das erste Geschäft auf unserer Tour heißt loveco. Hier werden Kleidung und Accessoires angeboten, die allesamt „eco“ sind: die Inhaberin Christina hat sich zum Ziel gesetzt, Qualität und Design mit Fairness, Ökologie und Veganismus zu verbinden. Die Auswahl an Jeans gefällt mir gut: Haikure, Armed Angels, goodsociety und monkeegenes, alle in einem Laden! Lange diskutieren wir mit Ambra über einen grauen Strickpulli, der zu 70% aus geschredderten PET-Flaschen hergestellt wurde. Kleine bunte Teile der Fasern, die vom Plastik stammen und erst beim zweiten Blick auffallen, lassen den Pulli besonders aussehen und zeugen gleichzeitig von seiner Vorgeschichte. Ich bin begeistert!

Zu Fuß ziehen wir weiter zum nächsten Laden. Im Gingersboat vereinen sich ein großes Sortiment an fair hergestellten und ökologisch sinnvollen Produkten und eine Schneiderei mit fairen Textilien. Ich habe sofort das Gefühl einen Volltreffer in Bezug auf Geschenkideen gelandet zu haben, denn hier gibt es wirklich eine große Auswahl an verschiedensten Accessoires und besonderen Kleinigkeiten. Es ist schön zu sehen, dass hier außerdem an Alltagsprodukte wie Socken, Zahnbürsten und Portmonees gedacht wurde, die allesamt fair produziert wurden. Sie runden das Sortiment ab und zeigen, dass Berlin für jeden Anlass und fast jedes Massenprodukt eine faire Alternative bietet.

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„Volltreffer in Bezug auf Geschenkideen“ – Gingersboat

Unser dritter Stopp findet nur zwei Straßen weiter bei K.W.D. statt. Inhaberin Katja Werner empfängt uns in ihrem Ladenatelier, wo ein ganz bestimmtes Material seinen Platz hat: Gummi. Katja und ihre Mitarbeiterinnen stellen alle ihre Produkte aus gebrauchtem Gummi her, das z.B. mal ein Fahrrad- oder Treckerschlauch war. Mein persönliches Highlight sind ihre edlen Shoppingbags aus recycelten Supermarkt-Kassenförderbändern, die schlicht und stabil mit neuem Nutzen zurück in ihren alten Kontext gebracht werden – zum Einkaufen. Im Gespräch mit Katja erfahren wir, dass sie ihre Ideen vor allem durch das Material selbst bekommt, da es oft bereits in einer gewissen Form oder Krümmung produziert ist und man diese Eigenschaften im Design berücksichtigen muss. Sie hat sich die Arbeit mit dem Material durch ständiges Ausprobieren selbst beigebracht und ihr Können offensichtlich perfektioniert.

Mit der U-Bahn fahren wir zum Görlitzer Bahnhof in Kreuzberg und besuchen die Panama Hutgalerie. Unsere Gruppe passt grade so in den schmalen Laden rein, doch es gibt viel zu sehen: die Hüte stapeln sich in den Regalen und hängen an Haken bis unter die Decke! Die Kollektion „Coffee to Go“ ist der Traum jedes Hipsters, da die 6 verschiedenen Hut-Designs allesamt aus Jute-Kaffeesäcken umgesetzt wurden. Der Lieblingskaffee wird durch Modelle mit Namen wie „Cappucino“, „Café Espresso“ oder auch „Black Coffee“ repräsentiert und kann direkt ins nächste Café ausgeführt werden. Das ist mal ein echter Kreislauf und so total… Berlin!

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Guide Ambra & Tour-Teilnehmerin Vivi bei loveco

Der letzte Halt auf unserer Tour ist der supermarchè direkt gegenüber. Auf über 100qm bietet dieser Laden wirklich für jede_n fair produzierte und ökologische Mode an. Unter dem Motto „better wear fair!“ findet man Streetwear von großen Brands: Jeans von Armed Angels, T-Shirt von People Tree, Unterwäsche von Frija Omina, Socken von Grödo, Schuhe von Ethletic, Jacke von bleed, Handschuhe von Globe Hope, Rucksack von Pinqponq… hier kann man sich problemlos von Kopf bis Fuß einkleiden. Am Ende entdecke ich eine Marke, die ich vorher noch nicht kannte: aluc ist ein Upcycling Fashion Label aus Berlin und verkauft im supermarchè T-Shirts, die von Rana Plaza Überlebenden genäht wurden.

Nach 4 Stunden Green Fashion Tour gehen wir in ein kleines Cafè und lassen den Nachmittag gemeinsam ausklingen. Ich bin überwältigt vom Fair Fashion Angebot der Hauptstadt und inspiriert, zukünftig auch in anderen Städten nach alternativen Einkaufsmöglichkeiten zu suchen. Auch Vivi, eine junge Modedesignerin und Tour-Teilnehmerin, ist begeistert: „Besonders spannend fand ich den sehr persönlichen Austausch mit anderen Teilnehmer_innen, Ladenbesitzer_innen und Kreativen. Für mich war es definitiv auch eine Motivation zu sehen, dass es sich lohnt Unikate oder kleine Stückzahlen mit einem besonderen Konzept zu kreieren, denn die Nachfrage fern vom Massenkonsum steigt – zum Glück.“

Die Green Fashion Tours unterstreichen, dass Berlin absolutes Vorbild im Bereich Fair Fashion und Upcycling ist. Wer also in Berlin wohnt oder mal zu Besuch ist, dem kann ich diese ganz andere Art von Stadt-Tour nur empfehlen.

Auf getchanged.net lassen sich faire Einkaufsmöglichkeiten in ganz Deutschland finden. Die Karte und alle Infos zum Projekt Green Fashion Tours gibt’s auf greenfashiontours.com.

Caterina Marcucci ist Praktikantin im Projekt FairSchnitt.

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