Einfach nur Mode – Fashion made fair

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Faire Medien

Eins vorweg: Dieses Buch macht Spaß! Weil es in schönen und großformatigen Fotostrecken das zeigt, was uns die Modejournale und -Blogs größtenteils vorenthalten: Dass schöne Mode heute fair sein muss. Denn wie die Herausgeberinnen des Bandes, Ellen Köhrer und Magdalena Schaffrin, es in der Einleitung formulieren: „Mode ist ein Spiegel unserer Gesellschaft“. Wie also können Unternehmen in einer Zeit, in der überall von Rana Plaza gesprochen wird und im Kino Filme wie „The True Cost“ laufen überhaupt noch unfair produzieren?

Doch erstmal kommen die Klischees. Wie andere Artikel, Editorials und Blogbeiträge über faire Mode auch, kommt die Einleitung nicht um den Satz „man sehe es der Kleidung nicht mehr an“ herum.  Nein, fair heißt nicht langweilig. Nein, es ist nicht sackartig und nicht unbedingt beige. Haben wir alles schon gehört. Sprache reproduziert nun mal Klischees und dabei ist es wirklich einfach nur Mode, wie Bruno Pieters von Honest by schön anmerkt. Warum braucht faire Kleidung den Stempel? Wie wäre es, wenn wir stattdessen die unfaire Mode im Gegensatz zu „einfach nur Mode“ abgrenzen?

Der Fokus des Bandes liegt auf der Mode und ihrer ästhetischen Inszenierung. Dementsprechend kurz fallen die Texte aus. Das ist meistens kein Problem: Die sind nämlich knackig geschrieben und machen gerade neugierig genug, um weiter zu recherchieren. Einige Beschreibungen wirken allerdings etwas abgehackt – da hätte man sich mehr Information gewünscht. Interessant sind die Interviews – man liest einiges über innovative Lösungsansätze und die finanzielle Macht von Konsument_innen. Der schon erwähnte Bruno Pieters nimmt dabei jede_n in die Pflicht.: „(…) es gibt keinen besseren Ausgangspunkt, als bei sich selbst anzufangen.“ Seiner Meinung nach, verbrauchen wir ziemlich viel Energie darauf, unseren Lebensstil zu rechtfertigen, anstatt diesen einfach zu ändern.

Nach der Lektüre hat man mehr von den bereits bekannten Marken erfahren oder neue kennengelernt. Noch brauchen wir den Stempel, aber hoffentlich werden wir solche Geschichten schon bald in allen Modemagazinen – online wie offline – lesen. Denn, so Vivienne Westwood, „Das ist keine Charity, sondern ganz normales Business.“

Die Autorinnen:
Ellen Köhrer
ist Journalistin, Reporterin und Bloggerin in Berlin. Sie schreibt über Mode, Design und Nachhaltigkeit u.a. für die Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel, NZZ, freundin Donna, enorm und noveaux. Ihr Blog „Grün ist das neue Schwarz“ befasst sich mit dem Thema eco-faire Mode.

Magdalena Schaffrin ist Modedesignerin und Expertin für nachhaltige Mode. Sie gründete den Greenshowroom, eine Messe für nachhaltige Luxusmode während der Fashion Week Berlin, ist Creative Director der Ethical Fashion Show Berlin und eine gefragte Rednerin.

Buchcover_FMFEllen Köhrer, Magdalena Schaffrin
Fashion Made Fair. Modern – innovativ – nachhaltig (Prestel)
Preis: € 39,95
ISBN: 978-3-7913-8175-6

1 Kommentare

  1. Liebe Modefairarbeiten-Redaktion,
    herzlichen Dank für Euren Beitrag über unser Buch Fashion Made Fair. Ursprünglich wollten wir Autorinnen Magdalena Schaffrin und ich selbst das Wort „Fair“ nicht im Titel haben und auch nichts darüber schreiben, dass diese Art von Mode eben heute so aussieht, wie wir das im Buch zeigen. Der Verlag hat uns jedoch davon überzeugt, dass das Buch ja nicht nur für Insider ist und es im Handel unter den vielen Modebüchern positioniert werden will. Und spätestens da braucht es heute eben doch noch diesen Stempel. Hoffe, das ist bald passé und wir sprechen nur noch von unfair hergestellter Mode und die andere, nachhaltige Mode, grüne Mode oder Slow Fashion ist „einfach Mode“, wie Bruno Pieters konstatiert. Dann kann in Zukunft ein solches Buch auch einen Titel wie z. B. „Just Fashion“ tragen.
    Herzlich,
    Ellen Köhrer

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