3 Fragen an… Sora von der Hochschule Reutlingen

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3 Fragen an Studium

In diesem Blog lassen wir Menschen zu Wort kommen, für die Mode nur dann schön sein kann, wenn sie sozial gerecht und umweltfreundlich produziert wurde. Doch was lernen eigentlich angehende Modedesigner_innen, Bekleidungstechniker_innen, Einkäufer_innen usw. als künftige Gestalter_innen der Branche über soziale Produktion? In der Serie 3 Fragen an beantworten Studentinnen und Studenten modebezogener Studiengänge Fragen zu ihrem Studium. Nach einem Beitrag von Jana, die aktuell ihre Bachalorarbeit in International Fashion Retail schreibt, erzählt heute die angehende Textilingenieurin Sora von ihrem Studium an der Hochschule Reutlingen.

#1 Wie heißt du, wo und was studierst Du?
Ich bin Sora, 23 Jahre alt, und ich studiere Textiltechnologie/Textilmanagement (Bachelor of Engineering) an der Hochschule Reutlingen.

#2 Werden Sozialstandards und Menschenrechte im Rahmen Deines Studienganges behandelt?
Nein, leider überhaupt nicht. Unser Studiengang ist sehr auf den ingenieurswissenschaftlichen Teil ausgerichtet, Produktionsberechnungen und Verfahrenstechnik stehen im Vordergrund. Obwohl wir einen achtsemestrigen Studiengang haben und damit eigentlich genug Zeit für solch hochbrisante Themen, spielen Menschenrechte und Sozialstandards leider keine Rolle.

Auf studentische Initiative hin, bietet FEMNET seit diesem Semester erstmalig ein Seminar an unserer Fakultät an, das in vier Blöcken die Grundlagen vermittelt und das Bewusstsein für diesen Bereich unseres Berufes schaffen soll. Die Teilnahme an solch einem Seminar wurde über sogenannte „social credits“ gewertet. Das Seminar selbst war innerhalb weniger Tage ausgebucht und die Warteliste ist lang. Allein diese Tatsache zeigt, wie gerne die Studenten mehr über solche Themen erfahren würden und wie groß ihr Bestreben ist, sich auch mit diesem Bereich unserer Branche zu befassen. Außerdem gibt es an unserer Hochschule die Studentengruppe oikos, die regelmäßig Kleidertauschpartys und Vorträge zu ökologisch relevanten Themen organisiert. Allein der eigene Wille für soziales Engagement und Weiterbildung bringt die Studierenden also mit solchen Themen in Kontakt, nicht aber weil es ein fester Bestandteil unseres Studiums wäre.

Dementsprechend ist es mir ein großes Anliegen, dass wir neben Verfahrenstechnik und Produktionsberechnung auch innerhalb unseres Pflichtstudiums Menschenrechte und Sozialstandards behandeln. Nicht, weil mein eigener Interessensschwerpunkt auf diesem Bereich liegt, sondern weil ich der Meinung bin, dass gerade in der Textilbranche Ingenieure mit Verstand UND Herz notwendig sind. Diese Branche benötigt Ingenieure, die sowohl mit verfahrenstechnischem Wissen als auch mit dem Wissen um die Sozialstandards der Produktionsländer ausgestattet sind. Wie sonst sollen wir diesem Konsumwahn begegnen? Wie sonst sollen wir das Wohl der Menschen garantieren, die unsere Kleidung produzieren? Wie, wenn nicht mit Herz, fundiertem Wissen und gesundem Menschenverstand.

#3 Wie präsent findest Du das Thema „Faire Kleidung“ insgesamt?
Faire Kleidung ist ein durchaus präsentes Thema. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Menschen, die FastFashion konsumieren, sich der Lage der Näherinnen bewusst sind. Doch nur, weil man sich einer Sache bewusst ist, heißt das nicht, dass man auch die Konsequenzen daraus zieht. Das Konsumverhalten zu ändern, ist schwierig. Vielmehr macht es Sinn, dort anzugreifen, wo die Grundlagen für FastFashion gelegt werden: Im Unternehmen selbst. In der Entscheidung des Textilingenieurs, fair produziertes Garn aus Indien zu beziehen. Es liegt in der Hand der Menschen, die die Mode produzieren, es auf eine faire Art zu tun. Und das wird nur dann passieren, wenn sie schon während ihrer Ausbildung gelernt haben, wie es geht.

Copyright Foto: Janina Hoffmann

Möchtest auch Du 3 Fragen zu Deinem Studium beantworten? Schicke eine Mail an info@modefairabeiten.de!

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