3 Fragen an… Kathrin von der Hochschule Trier

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3 Fragen an Studium

In diesem Blog lassen wir Menschen zu Wort kommen, für die Mode nur dann schön sein kann, wenn sie sozial gerecht und umweltfreundlich produziert wurde. Doch was lernen eigentlich angehende Modedesigner_innen, Bekleidungstechniker_innen, Einkäufer_innen usw. als künftige Gestalter_innen der Branche über soziale Produktion? In der Serie 3 Fragen an beantworten Studentinnen und Studenten modebezogener Studiengänge Fragen zu ihrem Studium. Nach Aika und Jana erzählt heute die angehende Modedesignerin Kathrin von ihrem Studium an der Hochschule Trier.

#1 Wie heißt du, wo und was studierst Du?
Ich heiße Kathrin Glosemeyer und studiere Modedesign an der Hochschule Trier.

#2 Werden Sozialstandards und Menschenrechte im Rahmen Deines Studienganges behandelt?
Sozialstandards und Menschenrechte werden an unserer Hochschule eher weniger thematisiert. Die Inhalte des Studiums reichen zwar von der Geschichte der Mode über den Designentwurf und der Realisation des Kleidungsstücks bis hin zu Textiltechnologie, beinhalten aber keine Themen wie Unternehmensverantwortung mit Sozialstandards und Menschenrechten. Anstatt diese Themen fest in den Lehrplan zu integrieren, findet bislang einmal jährlich ein Workshop im Rahmen der intermedia-Woche statt. In dem Fall sind die Themen zentrale Inhalte, wofür dementsprechend auch ECTS-Punkte vergeben werden. Das Seminar war beim letzten Mal binnen mehrerer Stunden ausgebucht. Ich muss hinzufügen, dass der Workshop von einer sehr engagierten Dozentin – und gemeinsam mit dem FairSchnitt-Projekt – ins Leben gerufen wurde. Ohne die Mithilfe der Lehrenden wird sich an den Hochschulen nichts ändern. Dennoch ist das Angebot viel zu gering, um alle Studierenden zu erreichen.
Ich wünsche mir, dass das Angebot konsequent erweitert und fester Bestandteil des Studiums wird, z. B. als Wahlpflichtseminar, bei dem Themen wie Sozialstandards und Nachhaltigkeit behandelt werden. Außerdem halte ich es für sinnvoll, an jeder Hochschule eine Arbeitsgruppe zu gründen, welche die Studierenden zusätzlich zu den Themen Arbeitsbedingungen und die Auswirkungen der Globalisierung sensibilisiert.
Ich habe vor FairSchnitt bereits für eine Umweltstiftung gearbeitet, in der ich gemeinsam mit Sozial- und Erlebnispädagog_innen, Bauern, Handwerkern, Imkern und Ehrenamtlichen Kinder und Jugendliche zu einem bewussteren Umgang mit der Umwelt geschult habe und selber Aktionen mit anderen Freiwilligen in Städten gestaltet habe, um über Umweltschäden der Globalisierung und den Klimawandel aufzuklären.
Mein ganz persönliches Projekt beziehungsweise Protest ist es, sozial gerechte und nachhaltige Kleidung einzukaufen, dazu gehören auch Secondhand- und Up-/Recyclingprodukte. Ich denke, dass ich als Käuferin direkt Einfluss nehmen kann. Außerdem macht es mir enormen Spaß bei den kleineren Labels zu stöbern und diese zu unterstützen. So trage ich dazu bei, dass die kreative Vielfalt in der Mode erhalten bleibt.

#3 Wie präsent findest Du das Thema „Faire Kleidung“ insgesamt? Wie könnte man es Deiner Meinung nach, präsenter machen?
Insgesamt finde ich das Thema „Faire Kleidung“ weniger präsent, eher gewinnt der Nachhaltigkeitsaspekt bei der Produktion an Zuwachs. Auch wenn hin und wieder von den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Fabriken der Textilindustrie berichtet wird, bleibt bei den Menschen der westlichen Hemisphäre wenig davon hängen – steigende Umsatzzahlen der Fast Fashion Riesen wie H&M & Co belegen das. Sie werden selten zu Mitverantwortlichen für die Missstände des globalen Handels gemacht. Deshalb ist es wichtig, die Themen der Unternehmens- und Konsumkritik in (Hoch)Schulen, Medien und beim Einkauf stärker zu verankern, und zwar vor allem dadurch, dass man den Menschen die Zusammenhänge zwischen ihrem individuellen Handeln und der Welt zeigt. Zum einen ist der Austausch mit Menschen wichtig, die von Ausbeutung und Armut betroffen sind. Zum anderen muss man das gesamte System hinterfragen und Alternativen aufzeigen, die Bildung, Gesundheit, Wohlstand und positive Umweltbilanzen mit sich bringen. Leider ist die Idee der freien Marktwirtschaft so arg in den Köpfen verankert, dass viele glauben, sie würden ihren Wohlstand verlieren, wenn sie dem fairen Handel zustimmen. Aber noch immer leben weltweit mehr als 3 Mrd. Menschen in Armut und trotz des gigantischen Arbeitsangebots der Textilindustrie leidet die Mehrheit der Textilarbeiter_innen. In absehbarer Zukunft gilt es außerdem darüber nachzudenken, wie wir die Welt weiterhin gestalten, wenn immer mehr Arbeiten von Maschinen übernommen werden. In China hat Apple-Zulieferer Foxconn gerade 60.000 Arbeiternehmer_innen entlassen, weil es nun Maschinen gibt, die präziser und kostensparender arbeiten. Wenn ähnliches in anderen Industriesektoren, wie der Konfektionierung, geschieht, weiß ich nicht, wie die Länder damit umgehen sollen.

Quelle Foto: Kathrin Glosemeyer

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2 Kommentare

  1. Es ist für den fertig Studierten schwer ein ordentliches Arbeitsverhältnis zu bekommen. Hier fängt die Ausbeutung schon an. Große Konzerne können es sich erlauben den Berufseinstieg durch aneinander gereihte Praktika zu „ermöglichen“. Wie soll hier ein kritischer Modedesigner seinen Platz finden!? Wichtiger als in den Hochschulen und Universitäten aufzuklären, wäre die echte Aufklärung der Konsumenten. Die Nachfrage bestimmt alles! Preise, Bedingungen, Beschaffenheit, etc. Wir müssen endlich weg von dieser „Geiz ist geil“-Mentalität! Aber das wird schwer….. Jeder einzelne MUSS sein denken und handeln ändern! Aber dadurch könnte man etwas bewegen.

    • Kristina sagt

      Liebe Kristin Franke, vielen Dank für das Kommentar. Als FEMNET betreiben wir auch Konsument_innen-Aufklärung, sind aber trotzdem der Meinung, dass Modeverantwortliche ihren Teil dazu beitragen müssen. Auch wenn es noch mühsam ist.

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